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ARTE im Interview mit Christoph Schuch 





Neue Gartenkunst heißt die Dokumentarfilm-Reihe auf ARTE, in der neue, moderne Gartenbaukonzepte vorgestellt und analysiert werden. Autor dieser 13-teiligen Filmreihe ist Christoph Schuch.

Herr Schuch, warum hat Sie dieses Thema so fasziniert?

Für mich ist die Schnittstelle von Natur und Kultur interessant und da ist der Garten einfach ein toller Ort, in dem man viele Sachen ausprobieren kann, wo der Mensch mit Pflanzen und mit Raum in Berührung kommt. Wir haben versucht, die interessantesten Sachen, die sich derzeit da abspielen, zu dokumentieren.

Seit wann beobachten Sie, dass sich in der Gartenkunst etwas getan hat?
Wer hat die klassische Gartenbauarchitektur revolutioniert?

Ich denke, im 20. Jahrhundert ist die Gartenkunst ein bisschen in Vergessenheit geraten. Es entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts noch große Parks. Aber der Garten, den man als Kunstwerk ansehen kann, das ist dann doch lange in Vergessenheit geraten. Mir ist aufgefallen, dass es so gegen Ende des 20. Jahrhunderts auf einmal sehr interessant wird auf diesem Gebiet. Es gibt Gartenkunstfestivals und es wird auch mehr Wert auf Stadtplanung gelegt. Ich denke, es hat ein Umdenken stattgefunden, man sieht es aber auch in der Gesellschaft: Garten ist ein Thema, was sich nicht nur durch das Fernsehen mittlerweile sehr ausgebreitet hat, sondern einfach viele Leute interessiert.

Muss man die klassische Gartenbauarchitektur kennen, um die neuen Konzepte der Gartengestaltung zu verstehen?

Ich denke schon, dass es Sinn macht, wenn man sich ein bisschen auseinandergesetzt hat mit der historischen Gartenkunst. Die Landschaftsarchitekten und Gartenkünstler, die wir getroffen haben, die haben ja auch oft gesagt: „Wir haben jetzt das Rad nicht neu erfunden.“ Die beziehen sich natürlich auch auf Sachen, die durchaus Tradition haben. Man kann es auch so sehr schön finden, aber es ist vielleicht auch ganz interessant mal zu sehen: Das könnte eine aus der oder jener Ecke kommende Inspiration sein, die einfach neu interpretiert wurde von den jetzigen Gartenkünstlern.

Im Zusammenhang mit Ihren Filmen ist eigentlich mehr von Gartenkünstlern die Rede als von Gartenbauarchitekten oder Landschaftsgestaltern. Warum sind die neuen Macher auf diesem Gebiet eher Künstler?

Manchen definieren sich als Landschaftsarchitekten, andere sind vielleicht auch Gartenkünstler, weil sie sehr künstlerisch damit umgehen. Wir haben auch ein paar Exoten in der Filmreihe, zum Beispiel aus Deutschland das „Atelier Alias“; die fahren manchmal mit dem Einkaufswagen los, ein bisschen Moos und Schachtelhalme drin, und inszenieren in einer Stadt wie Leipzig oder Berlin an sehr ungewöhnlichen Orten auf einmal einen Garten. Oder aus England Ivan Hicks, der auch aus der bildenden Kunst kommt und das einbringt in seine Gartengestaltung. Wir haben auch andere Leute wie Adriaan Geuze von West 8 aus den Niederlanden; die sehen sich natürlich schon auch als Landschaftsarchitekten, da gibt es also verschiedene Begriffe.

Sie präsentieren in Ihren Filmen nicht nur die Gartenkünstler, sondern analysieren auch, welches Konzept hinter ihren Kreationen steckt. Haben die heutigen Gartenkünstler tiefgründigere Ideen oder sogar eine Philosophie, auf der ihre Kunst beruht?

Für uns kam es darauf an, Gartenkünstler zu treffen oder Landschaftsarchitekten, die wirklich eine eigene Herangehensweise oder gar eine Design-Philosophie haben und da gibt es doch schon sehr viele Facetten. Es gibt Leute, die interessieren sich stark für Pflanzen, andere interessiert mehr der Raum oder die Gestaltung mit bestimmten Elementen. Wir haben Leute, die sich mit Feuer- oder Nebelgärten auseinandergesetzt haben, aber auch Gartenarchitekten, denen geht es darum, einen Garten für den Auftraggeber perfekt zu gestalten. Manche gehen psychologisch heran, die führen lange Gespräche mit den Kunden, die sie beauftragen. Viele Gartenarchitekten haben uns auch gesagt, dass der erste Garten, der Garten der Kindheit, eine starke Rolle spielt für ihre eigene Planung aber auch für die Wünsche ihrer Auftraggeber.

Welche Trends beobachten Sie zurzeit auf diesem Gebiet und worin könnte, Ihrer Meinung nach, die Gartenkunst gehen in Zukunft?

Ein Trend in der Gartenkunst ist zurzeit, dass alle feststellen, dass Raum und Zeit knapp werden. Es ist also auch ein gewisser Luxus dabei. Das heißt aber auch: Je kleiner ein Garten ist, desto intelligenter sollte die Planung für so einen Garten sein. Wir stellen auch fest, dass die Leute versuchen, sehr individuell heranzugehen. Es gibt vielleicht eine Formensprache, die man jetzt im Moment als Zeitgeist oder Mode bezeichnen könnte, das heißt es ist im Großen und Ganzen schon etwas reduzierter. Trotzdem gibt es eine große Liebe zum Detail; das kann zum Beispiel mit Pflanzen passieren, mit Materialien wie Holz, Stein oder Metall. Wasser ist natürlich auch immer ein Element, das häufig vorkommt, aber Gärten sind im Prinzip auch Rückzugsgebiete.

Bei einigen Gartenbauarchitekten oder -künstlern hat man den Eindruck, dass das, wie Sie gerade sagten, mit viel Liebe zum Detail gemacht wurde, dass es demzufolge sehr präzise wirkt, fast wie mit dem Lineal gezogen. Wo ist denn da noch der Bezug zur Natur? Ist das nicht etwas übertrieben?

Wir haben jetzt eine Phase hinter uns, in den 80er Jahren, in der es in Deutschland sehr angesagt war, den Garten als Naturgarten anzulegen. Aber ein Garten ist natürlich immer ein künstliches Gebilde: Man arbeitet mit der Natur, man arbeitet mit Pflanzen oder mit Wasser und Erde. Dennoch ist es natürlich ein Raum, der vom Menschen gestaltet wird. Ich finde es gerade spannend, zum Beispiel einen Garten abzugrenzen zur Landschaft, die ihn umgibt. Er kann ja durchaus korrespondieren mit der Landschaft, was sehr viele Gartenarchitekten versuchen, aber es kann auch als sehr klare Trennung gesehen werden. Innerhalb des Gartens treten dann wieder Dinge auf, die mit der Natur zusammenhängen.


Das Interview führte Katja Dünnebacke

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Das Interview mit Christoph Schuch als Audio-Datei zum Anhören



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